Spezieller Beitrag: Guru Dev's Kommentar zum Ende des zweiten Weltkriegs

guru_dev

Guru Dev's Kommentar
zum Ende des zweiten Weltkriegs

Übersetzung von Dr. Eckhard Moog

 

Als im September 1945 der zweite Weltkrieg zuende ging, wollten Zeitungsreporter die Reaktion des Shankaracharya Swami Brahmananda Sarasvati, Shankaracharya von Jyotirmath (Guru Dev) in Erfahrung bringen. Erklärend machte er ihnen gegenüber folgende Aussage, die in Teilen mit anderen veröffentlichten Zitaten Guru Dev's übereinstimmt.

Ein wirklicher Sieg ist der, der nie wieder zu einem Rückschlag führen kann. Niemand kann sich als endgültigen Sieger bezeichnen, nur weil er einen äußeren Feind niedergeworfen hat, denn ein solcher Feind kann sich wieder gegen ihn erheben. Ein wirklicher Sieg wird nur dadurch erreicht, dass man seine inneren Feinde unter Kontrolle bekommt. Den inneren Feinden Einhalt zu gebieten ist daher der einzige Weg, die äußeren Feinde für immer zu besiegen, denn es sollte uns klar sein, dass es unsere inneren Feinde sind, die unsere äußeren Feinde hervorbringen.

Diese inneren Feinde sind Ehrgeiz, Wut, Gier, Bindung, Eitelkeit und Eifersucht. Dieses in uns sitzende Hexagon instrumentalisiert alles in der äußeren Welt, um Feinde für uns hervorzubringen. Wenn sich daher jemand an Frieden und Glück durch einen Sieg über alle Feinde erfreuen möchte, sollte er die wahre Quelle aller physischen Feinde angreifen, nämlich das in uns lebende subtile Hexagon. Feinde endgültig auszurotten ist ohne die Zerstörung dieses Hexagons aus Ehrgeiz, Wut, Gier, Bindung, Eitelkeit und Eifersucht nicht möglich. Das ist axiomatisch.

Es ist eine durch praktische Erfahrung gesicherte Tatsache, dass jeder, der diese subtilen inneren Feinde besiegt hat, den eigentlichen Entstehungsort aller äußeren Feinde zerstört hat. Daher wird das Entstehen eines jeglichen Feindes im Keim erstickt. Nur ein solcher Sieger kann wahrhaftig Sieger genannt werden. Dann stehen für ihn die Pforten zu dauerhaftem Frieden und Glück offen. Für eine Nation, die völlig frei von Feinden sein und eine Welt von Frieden und Glück aufbauen möchte, ist es daher notwendig, Menschen an den Schaltstellen seiner Regierungsabläufe einzusetzen, die ihr inneres Hexagon besiegt haben. Andernfalls werden sie sich und damit auch viele Andere zerstören. Die Geschichte der letzten Jahrhunderte hat gezeigt, dass die Herrscher mächtiger Nationen unter dem Einfluss ihres Hexagons der Welt ein Blutbad beschert haben. Das ist bestialisch. Diejenigen, die die Bürde tragen, ihre Nation zu lenken, sollten mit besonderer Einsicht handeln. Es zeugt nicht von Größe oder Menschlichkeit, wenn man sich von seinem Hexagon hinreißen lässt und die Erde mit einer Welle von Leiden überzieht.

Außerdem, wie lange können wir fortfahren, äußere Feinde zu zerstören? So bald wir einen losgeworden sind, ist der nächste bereit, uns in Atem zu halten. Auf diese Weise sind nicht nur wir selbst ständig in Aufruhr, sondern wir halten außerdem einen kalten Krieg aufrecht, der ständig Frieden und Glück der ganzen Menschheit bedroht. Dies ist sicherlich weder das Anzeichen für irgendeinen Sieg noch für die Unterdrückung irgendeines Feindes. Deshalb ist es höchst essenziell, dass nur solche Menschen Nationen regieren sollten, die ihr inneres Hexagon besiegt haben. Es sind diese wirklich siegreichen Führer, die die Gesellschaft, die Nation und die Welt auf dem Weg zu dauerhaftem Frieden und Glück anleiten können.

Es ist nicht zu schwierig, den Sieg über das Hexagon zu gewinnen. Aber die Leute halten es für unmöglich, ohne darüber nachzudenken. Die meisten huldigen dem Glauben, dass nur ein vollkommener Heiliger, der alle weltlichen Belange aufgegeben hat, das innere Hexagon zerbrechen kann. Dieser Glaube basiert auf völliger Ignoranz. Jemand, der entsagt, entsagt der eigentlichen Grundursache des Hexagons, in seinem Falle erhebt sich also die Frage des Besiegens des Hexagons gar nicht. Ein Sieger über das Hexagon ist jemand, der seine weltlichen Belange weiterhin aufrechterhält, ihnen aber nicht gestattet, dass sie ihn unterjochen. Gib dem Feind die Gelegenheit zuzuschlagen, aber lass ihn herausfinden, dass er es nicht schafft, weil du zu stark für ihn bist. Nur dann kann er als besiegt betrachtet werden. Engagement in rechtschaffenen weltlichen Aktivitäten als solches ist kein Hindernis das innere Hexagon in einem Zustand der Kontrolle zu halten.

Für die Auflösung der subtilen Zelle innerer Feinde ist es nicht nötig, über eine Anzahl Jahre Kriegsvorbereitungen zu machen und dann mit einem Gemetzel loszulegen, das die Welt zwischen Leben und Tod in Atem hält. Es ist lediglich nötig, unparteiisch zu werden und mit Fantasie zu handeln.

Unparteiisch zu sein heißt genau hinzuschauen. Einen Menschen, der Dinge sieht, wie sie sind, nennt man unvoreingenommen. Es gibt keinen Unterschied zwischen dem, wie eine Sache ist und wie er sie sieht. Sein Standpunkt ist völlig ausgewogen. Seine Einschätzung einer Sache ist korrekt, mit anderen Worten, er missversteht nie. Wenn die Welt unreal ist, gesteht er ihr keine Realität zu. Wenn Brahman real ist, betrachtet er es als real. Wenn man weiß, dass die Welt irreal und Atman ewig ist, dann wird man unvoreingenommen. Dann sieht man die Dinge in ihrer wahren Gestalt.

Wenn wir sagen, die Welt ist unreal, meinen wir, dass sie nur für die Gegenwart so existieren kann, wie sie aussieht und dass sie in der Zukunft anders aussehen wird. Schließlich sieht jeder, dass alle Dinge in der Welt vergehen und dass wir sie eines Tages aufgeben müssen - das Kleinste wie das Größte - allem ist bestimmt sich zu verändern. Jeder sieht klar und deutlich, wie unaufhörlich vor unseren Augen Viele geboren werden und Viele sterben. Das nennt man die Vergänglichkeit der Welt. Wir sehen es ständig ablaufen, aber wir denken nicht darüber nach.

Wer durch einen Prozess des Folgerns und tiefen Nachdenkens das Konzept der Vergänglichkeit der Welt im Herzen etabliert hat, der ist kompetent, das innere Hexagon zu meistern. Denn wer von der Vergänglichkeit des gesamten Weltkomplexes überzeugt ist, kann nicht anfällig sein für Gier oder Bindung an irgendetwas, da er weiß, dass das heutige Objekt seiner Gier oder seiner Bindung morgen ein ganz anderes sein wird. Da er sich dieser Enttäuschung bewusst ist, entstehen in seinem Geist keine Wünsche und Bindungen. Sogar ihr eigentlicher Same ist zerstört. Dann ist auch die Eifersucht weg. Er ist nicht länger eitel wegen seiner Größe, seiner Gelehrtheit oder seines Reichtums. Wenn Gier, Bindung, Eitelkeit und Eifersucht verschwinden, bleibt kein Anlass zurück für Wut und sie verschwindet automatisch. Seine Wünsche entschwinden und er wendet sich Gott zu mit dem Ergebnis, dass seine weltlichen Aktivitäten nunmehr von einem Sinn für Verantwortung bestimmt werden statt von Begierden. Sein Verhalten wird automatisch rechtschaffen und er lebt in der Welt, ohne durch sie beeinflusst zu werden, so wie ein Lotusblatt im Wasser lebt, ohne nass zu werden. Ein solcher Mensch hat keine äußeren Feinde mehr und seine Ausgeglichenheit beeinflusst die ganze Natur. Niemand ist in der Lage, das Königreich seines Friedens zu stören. Solch ein Mensch ist "samadarshi" (unparteiisch, leidenschaftslos) und ein großer Sieger, der die Welt auf den Weg zu dauerhaftem Frieden und Glück führen kann.

Daher ist der Sieg über das innere Hexagon die höchste Form des Sieges, und auf das Erreichen dieses Sieges sollte der Mensch seine Bemühungen ausrichten.